Sexuelle Unlust bei Frauen hat fast nie nur einen einzigen Grund. Meist ist es eine Mischung aus körperlichen, emotionalen und mentalen Faktoren. Stress ist einer der größten Lustkiller. Wenn das Nervensystem dauerhaft im Alarmmodus ist, wird Lust biologisch zweitrangig. Der Körper priorisiert dann Überleben, nicht Genuss. Dazu kommen mentaler Druck und Überlastung, etwa durch Job, Familie, Haushalt und permanente Erreichbarkeit. Viele Frauen fühlen sich innerlich „voll“, bevor Intimität überhaupt Raum bekommen kann.
Ein zweiter sehr häufiger Faktor ist Druck in der Sexualität selbst. Wenn Sex als Pflicht, Erwartung oder Beziehungs-Währung erlebt wird, entsteht Widerstand. Viele Frauen ziehen sich zurück, wenn sie das Gefühl haben, „liefern“ zu müssen, statt sich frei öffnen zu dürfen. Ebenso wichtig ist emotionale Nähe. Wenn im Alltag wenig echte Verbindung stattfindet, kann es sein, dass die Frau zwar körperlich verfügbar ist, aber innerlich nicht ankommt. Dann fehlt das, was Lust oft braucht: das Gefühl, wirklich gesehen zu werden.
Auch körperliche Ursachen spielen eine Rolle. Hormonelle Veränderungen, Medikamente, Schlafmangel, Schmerzen, Zyklusveränderungen, Stillzeit oder Wechseljahre können Lust deutlich beeinflussen. Zusätzlich können negative Erfahrungen, Scham oder alte Verletzungen im Hintergrund wirken, selbst wenn sie im Alltag „nicht präsent“ erscheinen. Der Körper vergisst solche Dinge nicht. Er reagiert, manchmal sehr leise, manchmal sehr deutlich.